In unserer Botulinumtoxin-Sprechstunde untersuchen, diagnostizieren und behandeln wir Patienten mit neurologischen Erkrankungen, die von der Therapie mit Botulinumtoxin profitieren.Hierbei handelt es sich um folgende Erkrankungen:
Fokale Dystonien
- Cervikale Dystonie (Torticollis spasmodicus) und dystoner Tremor
- Blepharospasmus und Meige Syndrom
- Oromandibuläre Dystonie
- Graphospasmus und andere Extremitätendystonien
Bei den Dystonien handelt es sich um Erkrankungen des Gehirns, aufgrund derer es zu einer unwillkürlichen Überaktivität bestimmter Muskelgruppen kommt, die zu abnormen und bizarren Fehlhaltungen bzw. Fehlstellungen und gelegentlich repetitiven, pathologischen Bewegungsmustern einzelner Körperregionen führt. Am häufigsten betroffen sind die Gesichts- und die Halsmuskulatur. Neben der Fehlhaltung entstehen mitunter auch starke lokale Schmerzen, die oft schlecht durch klassische Schmerzmedikamente beeinflusst werden können.
Spasmus hemifacialis
Der Spasmus hemifacialis ist eine Störung des 7. Hirnnerven, dem N. facialis. Durch abnorme, nicht bewusst steuerbare elektrische Impulse innerhalb des Nervenstamms kommt es zu streng synchronen kurzen Zuckungen (Myoklonien) der mimischen Muskulatur einer Gesichtshälfte. Diese Zuckungen werden zumeist besonders im Bereich des Ringmuskels um die Augen als störend empfunden, weil hierdurch das Sehen beeinträchtigt wird.
Fokale Spastik einzelner Extremitäten:
- Armspastik nach Schlaganfall
- Spastischer Spitzfuß bei infantiler Cerebralparese (ICP)
- In Einzelfällen fokale Spastik bei anderen Erkrankungen des Nervensystems
Die häufigste Ursache der fokalen Spastik ist der Schlaganfall. Spastik entsteht als Folge einer Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks, bei der die zentral motorischen Leitungsbahnen, die sogenannte Pyramidenbahn geschädigt wird. Dies führt zu einer anfangs bewegungsabhängigen und im Verlauf oft dauerhaften Überaktivität betroffener Muskelgruppen, die neben der Lähmungs-bedingten Minderung der aktiven Beweglichkeit in den betroffenen Extremitäten auch zu einer Einschränkung der passiven Beweglichkeit führt. Häufig kommt es sekundär zu starken Schmerzen.
Chronische Migraine/chronisch täglicher Kopfschmerz:
Bei der Migraine handelt es sich definitionsgemäß um eine häufige und episodisch auftretende primäre Kopfschmerzerkrankung, d.h. sekundäre Ursachen bzw. strukturelle Schädigungen des Gehirns sind mit konventionellen diagnostischen Methoden nicht feststellbar. Der typische Kopfschmerz-Charakter beinhaltet einseitige, pulsierende Kopfschmerzen verbunden mit Lärm- und Lichtscheu sowie begleitender Übelkeit oder Erbrechen. Bei manchen Patienten sind sogenannte Aura-Symptome assoziiert. Am häufigsten sind visuelle Auren in Form von Flimmern oder Gesichtsfeldausfällen, aber auch sensible Ausfallserscheinungen, Lähmungen oder Sprachstörungen sind mögliche Begleitphänomene. Tritt die Migraine über einen längeren Zeitraum an mehr als 15 Tagen pro Monat auf, spricht man von einer chronischen Migraine.
Behandlungsprinzip mit Botulinumtoxin:
Botulinumtoxin ist ein von dem Bacterium Clostridium botulinum produziertes Neurotoxin. Therapeutisch wird die Substanz in der Neurologie seit Ender der 1980er Jahre eingesetzt. Benötigt werden jeweils nur geringste Mengen, die intramuskulär in die betroffenen Muskeln injiziert werden. Dies führt zu einer Dosis-abhängigen Blockade der neuromuskulären Impulsübertragung und somit zu einer Abnahme der Muskelkraft bzw. zu einer partiellen Lähmung der betroffenen Muskeln. Auf diese Weise wird die ungewollte Überaktivität der betroffenen Muskeln eingedämmt. Durch Botulinumtoxin werden auch Schmerzen in der betroffenen Region reduziert. Der genaue Mechanismus, der zur Schmerzreduktion führt, konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden.
Es handelt sich um eine Dauertherapie. Die Wirkung setzt üblicherweise nach 7-10 Tagen ein und hält etwa 3 Monate an. Die Behandlung ist gut verträglich und nebenwirkungsarm. Gelegentlich treten fokal Lähmungserscheinungen auf, die Ausdruck einer lokalen Überdosierung sind und spätestens mit dem Abbau der Substanz wieder nachlassen. Persistierende Nebenwirkungen oder gar irreversible Organschäden sind auch bei einer langjährigen Behandlung nicht zu erwarten.